Allgemeines

Zur Geschichte der katholischen Schule Lennep

von Erika Bornewasser

Schulen werden gegründet, um die Jugend auf das spätere Leben vorzubereiten und ihr das beste Rüstzeug dafür mitzugeben. Eine nicht weniger wichtige Aufgabe der Schule aber ist es auch, bestimmte geistige Inhalte an die nächste Generation zu vermitteln, in unserem Falle den christlichen Glauben in seiner katholischen Ausprägung und Auffassung. Beide Ziele waren für die Lenneper katholische Gemeinde immer von großer Bedeutung.

Seit der Reformationszeit lebte sie in einer Diasporasituation. Zur Zeit der Schulgründung 1641 gab es nur eine katholische Familie in Lennep, um 1830 hatte die Pfarrei, zu der außer Lennep auch Lüttringhausen, Remscheid und das Gebiet der „Fünfzehn Höfe“ gehörten, 1400 Mitglieder, erst am Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Katholiken stark an. Aber nicht nur zahlenmäßig war die katholische Gemeinde klein, die meisten ihrer Mitglieder waren arm und „von geringem Stande“, wie es in den Berichten der Minoriten und der späteren Pfarrer heißt. Sie arbeiteten als Tuchscherer, Weber, Spinner und Färber in der Textilindustrie oder übten andere handwerkliche Berufe aus.

Früh mussten auch die Kinder schon mitverdienen; in den Schulakten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es viele Aussagen über Fabrikarbeit der Kinder mit 12, ja mit 10 und 11 Jahren. Die Elementarschule bot die einzige Möglichkeit, einen gewissen Bildungsstand zu erreichen, denn nur ganz wenigen war die Möglichkeit ge­geben, eine weiterführende Lehranstalt zu besuchen. Ansehen und Mitspracherecht dieses ärmeren Bevölkerungsteils war in der Stadt gering, 1844 gab es ein katholisches Mitglied im Stadtrat. So waren Kirche und Pfarrgemeinde von großer Bedeutung. Dort war jeder ein wichtiges Mitglied, dort waren alle angenommen, dort konnte man Hilfe in der Not finden. Die sonntägliche Gottesdienstfeier einte alle – Gemeinde bedeutete geistige Heimat.

Historisches Klassenfoto - im Hintergrund das Schulgebäude

Historisches Klassenfoto – im Hintergrund das Schulgebäude

Die Schule gehörte natürlich dazu, und Teilnahme und Mitgestaltung von Gottesdienst und Gemeindeleben waren für Lehrer und Kinder Jahrhunderte lang eine Selbstverständlichkeit. Aber eine Schule lebt nicht in einem behüteten Garten, einer pädagogischen Provinz, sie ist immer wieder von äußeren Bedingungen abhängig, wird beeinflusst von politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Vorgängen, von geistigen Strömungen, vom Umfeld, aus dem Lehrer und Schüler kommen. So ist sie einem beständigen Wandel unterworfen. Im Folgenden soll nun dargestellt werden, wie die katholische Schule in Lennep sich aus kleinsten Anfängen heraus entwickelte, wie sich ihre äußeren und inneren Arbeitsmöglichkeiten immer wieder änderten, so dass stets neue Aufgaben für Lehrer und Schüler zu bewältigen waren.

Der Nachforschung standen reiche Quellen zur Verfügung: In erster Linie die Schulakten und Urkunden aus dem Archiv der katholischen Pfarrgemeinde St. Bonaventura; dann das Archiv der Stadt Remscheid, das die Akten der ehemaligen Kreisstadt Lennep beherbergt; weiter das Archiv des Lenneper Kreisblattes und schließlich die Chroniken der Schule, die seit 1909 lückenlos vorliegen. Allen Archivaren, die bereitwillig bei der Nachforschung geholfen haben, sei herzlich gedankt.

Weiter: Von 1641 bis 1803
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