Selbstbehauptung: Mein Körper gehört mir

„Mein Körper gehört mir“

Häufig sind Opfer sexuellen Missbrauchs Kinder im Grundschulalter. Sexuelle Gewalt findet vor allem in der Familie und im Bekanntenkreis statt, aber auch im außerfamiliären Umfeld wie in der Schule oder im Freizeitbereich. Betroffen von sexueller Gewalt sind Kinder aller sozialer Schichten und aller Altersgruppen. Kinder können sich dem Missbrauch aus eigener Kraft kaum entziehen, da sie sowohl psychisch als auch physisch die Unterlegenen sind. Sie befinden sich in einem Teufelskreis, weil sie sich einerseits an der Situation mitschuldig fühlen und andererseits durch das oft erpresserische Vorgehen der Täter zum Schweigen verurteilt werden. Um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sind bereits in der Grundschule präventive Maßnahmen notwendig.

Aus diesem Grund findet an der Schule seit dem Schuljahr 2000/2001 das Theaterprojekt „Mein Körper gehört mir“ der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück statt. Das Projekt wird alle zwei Jahre an der Schule durchgeführt. So ist gewährleistet, dass jedes Kind im Laufe der Grundschulzeit in Klasse 3 oder 4 an dem Projekt teilnimmt. Das Projekt stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und fördert die Bereitschaft zur aktiven Abwehr sexueller Übergriffe sowie die Suche nach Hilfe durch Dritte. Es erstreckt sich über drei Unterrichtsstunden, in denen jeweils im wöchentlichen Abstand zwei Schauspieler (ein Mann und eine Frau) in verschiedene Rollen schlüpfen. Die einzelnen Sequenzen schaut sich jede Klasse getrennt an, da innerhalb einer Klasse ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht.

Damit die Kinder eine konkrete Hilfe für ihren Alltag haben, die sie vor sexuellem Missbrauch schützt, sind in allen Sequenzen drei Fragen von besonderer Bedeutung:

  1. Habe ich ein Ja- oder ein Nein-Gefühl?
  2. Weiß eine Person meines Vertrauens wo ich bin?
  3. Bekomme ich Hilfe, wenn ich welche brauche?

Die Schüler lernen, dass ihr Körper ihr persönliches Eigentum ist. Unterstrichen wird das durch den „Körpersong“, von dem die Kinder bei jedem Termin eine neue Strophe dazu lernen. Auch die Unterscheidung eines Ja- bzw. Nein-Gefühls wird bei jedem Treffen besprochen und durch Beispiele unterstützt. Besonders deutlich wird gemacht, dass Kinder, denen sexuelle Gewalt geschieht, keinesfalls eine Schuld oder Mitschuld haben. Sie haben niemals die Verantwortung dafür, wenn ihnen sexuelle Gewalt angetan wird.

Vor der Durchführung des Projektes findet ein Sichtabend für die Eltern und Lehrer statt. Durch den Sichtabend haben die Eltern die Gelegenheit, die einzelnen Spielszenen sowie den Körpersong kennenzulernen. Sie werden außerdem dazu angeregt, die Lerninhalte über das Projekt und den Unterricht hinaus in den Alltag ihrer Kinder zu integrieren und angemessen auf eventuell auftretende Fragen zu reagieren. Die Lehrer vertiefen im Unterricht die behandelten Themen beispielsweise durch Rollenspiele und das Singen des Körpersongs.

„Mein Körper gehört mir“ wird immer wieder überarbeitet, um an die Lebensumstände der Kinder angepasst zu sein.

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