1945 – 1968

Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit

Der Unterricht begann wieder am 8. 8. 1945 für die Unter-, am 10. 9. 1945 für die Oberstufe der Volksschule. Zunächst behielt man die Form der Gemeinschaftsschule bei. Da die ehemalige „Hermann-Göring-Schule“ zerstört war, die Freiherr-vom-Stein-Schule als Lazarett diente, mussten sich drei Schulen in die beiden Gebäude an der Mühlenstraße teilen. Nach einem halben Jahr zog eine Schule in die Freiherr-vom-Stein-Schule um. Rektor Even leitete die beiden anderen Schulen bis Ende des Schuljahres 1946/47 mit 915 Schülern in 18 Klassen. Bei einer Elternumfrage durch die Kirche zeigte es sich, dass die Mehrheit der Eltern die Wiedereinführung der katholischen Schule wünschte, die offizielle Befragung im März 1946 brachte die Zustimmung von 97%. Die Einrichtung der Schule wurde aber durch Versäumnisse im Amt noch ein ganzes Jahr verzögert.

Ostern 1947 war es endlich so weit. 415 Kinder waren angemeldet worden, und am 21. April wurde die katholische Volksschule eröffnet mit einem feierlichen Gottesdienst. Pastor Derichs segnete vier Kreuze, die in Prozession zur Schule getragen wurden und wieder ihren Ehrenplatz in den Klassenräumen erhielten. „Viele Eltern begleiteten ihre Kinder und versammelten sich in der Oberklasse zu einer Feierstunde, in der Rektor seine Freude über diese Wende im Schulleben zum Ausdruck brachte“, schrieb Rektor Even in der Chronik. Das alte Kollegium, das so viele Leiden und Freuden zusammen durchgestanden hatte, war wieder vereint: Die Lehrer Heinrich Woestenhemke, August Kopf und Karl Wahn, die Lehrerinnen Maria Hoppe, Maria Steinmetz, Dora Werner und als technische Lehrerin Hete Mülhens. Zwar hatte die Schule nur fünf Räume – der Schieferbau war der neu eingerichteten Gemeinschaftsschule zur Verfügung gestellt worden, man musste wieder in die Berufsschule ausweichen und im übrigen in drei Schichten unterrichten, doch man ließ sich nicht entmutigen. Die Kriegsschäden wurden ausgebessert, und die Eltern ließen auf eigene Kosten die Innenräume renovieren. In einer großen Feier führte die Abschlussklasse in der Aula des Röntgengymnasiums den „Wilhelm Tell“ auf, es gab wieder Schulendtage, Fahrten und ein Sommerzeltlager für die Jugend. Die Zuweisung zweier junger Lehrer Hugo Schäfer 1948, Hermann Bornewasser 1950, wurde freudig begrüßt. 1950 hatte die Schule 500 Schüler, auf jeden Lehrer entfielen 63 Kinder.

1951 trat Rektor Even in den wohlverdienten Ruhestand und Rektor Paul von Scharpen übernahm die Leitung der Schule. Er hatte nach Ende des Krieges nicht mehr in seine Heimat Zoppot bei Danzig zurückkehren können und in Remscheid ein neues Wirkungsfeld als Lehrer gefunden. Seine Amtsjahre waren vor allem durch zwei Problembereiche gekennzeichnet: den Lehrermangel und die Überalterung des Kollegiums, sowie die Schäden und Mängel an den beiden Schulgebäuden.

Die allmählich aufblühende Industrie in den 50er Jahren bot jungen Leuten gut bezahlte Aufstiegsmöglichkeiten, der Lehrerberuf mit dem geringen Einkommen (175 DM Anfangsgehalt pro Monat) war nicht attraktiv. So lag der Altersdurchschnitt der Lehrerschaft in Remscheid bei 50 Jahren. Die älteren Lehrkräfte erkrankten häufiger, ihre Kräfte waren durch die harte Vergangenheit verbraucht. Erst 1963 versuchte Kultusminister Mikat durch die Einstellung von Hilfslehrern – im Volksmund „Mikatzen“ genannt -, die bei Bewährung eine volle Ausbildung erhalten konnten, dem Lehrermangel beizukommen. Aber erst in den 70er Jahren war ein merklicher Anstieg der Pädagogikstudenten zu verzeichnen.

1954 zog die Gemeinschaftsschule in ihr neues Schulhaus an der Leverkuser Straße um. Damit wurde das Schiefergebäude frei, und es endete der Schichtunterricht für die katholische Schule. Doch die Mängel an den 110 bzw. fast 60 Jahre alten Schulgebäuden waren gravierend. Täglich mussten 10 Öfen beheizt werden. Für die Beheizung von Rektor- und Hausmeisterwohnung musste man 75 Stufen in den Keller zurücklegen. Es gab keine Fach- und Mehrzweckräume, auch keine Turnhalle. Die Toiletten entsprachen nicht den einfachsten Hygieneanforderungen. Der Schulhof war unbefestigt und daher bei Regen kaum passierbar. Der Jahnplatz war frei für den öffentlichen Verkehr; Kirmes, Feuerwehrübungen, TÜV-Prüfungen brachten Unruhe für den Schulunterricht. Doch Lehrer und Schüler waren gewohnt, Schulleben auch unter schwierigen Verhältnissen zu gestalten.

Es gab Elternabende zur Adventszeit und zur Schulentlassung, 1951 im Berliner Hof, später im neu erbauten Jugendheim. Jährlich besuchte St. Nikolaus die Kleinen. Handarbeits- und Werkausstellungen fanden auch in der Presse Beachtung. Große Sportfeste im Stadion gemeinsam mit anderen Schulen fanden statt mit dem bunten Rasen der Unterstufe, Wettkämpfen, Volkstänzen der Mädchen und Fußball der Jungen. 1957 gewann die Schulmannschaft mit ihrem Trainer Konrektor Wahn den Wanderpreis der Fußballstadtmeisterschaft. Wanderungen und Schullandheimaufenthalte in Serkenrode brachten manche Abwechslung in den Schulalltag.

Die neue Schule Am Stadion

Im Jahre 1957 begann eine rührige Schulpflegschaft unter dem Vorsitz des Herrn Bundestagsabgeordneten Adolf Müller sich energisch für die Behebung der Mängel an den Schulgebäuden und schließlich für den Neubau der Schule einzusetzen. Zunächst wurde ein Schulverein gegründet, dem rasch 70% der Eltern beitraten. Durch ihn wurden einige Neuanschaffungen möglich: Schreibmaschine, Werkzeugkoffer, ein Nikolausgewand für das alljährliche Kinderfest, Bücher für die Schülerbücherei. Bei der Stadtverwaltung erreichte man die Renovierung der Toiletten, die Befestigung des kleinen Schulhofes, den Einbau von Nachtspeicheröfen im Schiefergebäude. Auch wurde unter dem Dach des Schieferbaues ein Werk- und Handarbeitsraum eingerichtet, der allerdings nur über eine Art Wendeltreppe zugänglich war und für die darunter befindlichen Klassen eine erhebliche Störung bedeutete. Als dann im Februar 1959 noch ein Rohrbruch mehrere Klassen im Altbau unter Wasser setzte, zeichnete sich mehr und mehr ab, dass dieses Gebäude in absehbarer Zeit nicht mehr als Schulhaus genutzt werden könne.

Die Pflegschaft setzte ihre Bemühungen fort. Im Jahre 1961 hatte man die Zusage der Stadt, das Schiefergebäude solle innerhalb der nächsten Jahre abgerissen und ein sechsklassiger Neubau mit Fach- und Nebenräumen erstellt werden. Diese Pläne befriedigten jedoch nicht. Sowohl Schuldezernent Dr. Krug wie Schulpflegschaftsvorsitzender Müller sprachen von gutem Geld, das in eine schlechte Sache gesteckt würde, in eine Behelfslösung. Auf eine weitere Eingabe der Pflegschaft hin erschien eine Regierungskommission zur Besichtigung. Sie entschied, nur ein völliger Neubau sei sinnvoll, ein Teilneubau mit Renovierung des Altbaues brächte kein einheitliches Bild. Der Jahnplatz als Eigentum der Stadt böte sich als Bauplatz an. Die daraufhin erfolgte Planung des Hochbauamtes wurde am 9. 7. 1963 vom Schulausschuss genehmigt. Der Baubeginn musste aber noch verschoben werden, da es etliche Probleme auszuräumen gab. Ein neuer Kirmesplatz musste gesucht werden. Der Vorschlag der Stadt, die Kirmes auf „Kuhlendahls Wiesen“ zwischen Röntgen- und Brehmstraße zu verlagern, wurde von den Schützenvereinen akzeptiert, brachte aber noch Einsprüche der Anwohner und der evangelischen Gemeinde, die eine Störung der Ruhe auf dem angrenzenden Friedhof befürchtete. Erst als all diese Bedenken ausgeräumt waren, stimmte der Haupt- und Finanzausschuss am 27. 2. 1964 den Beschlüssen zu.

lehrer

Nun konnte das Baugesuch den vorgeschriebenen Weg laufen, und im Frühjahr 1965 begannen die Ausschachtungsarbeiten. Da das Schulhaus auf einem abgeschütteten Gelände errichtet werden sollte, musste der Untergrund verdichtet werden. An 370 Verdichtungspunkten wurden bis zu 7 m tiefe Löcher gebohrt, in die mit Hilfe eines Spezialwerkzeuges insgesamt 420 m² Kies gepresst wurden. Auf diesen Säulen ruht das Fundament der Schule. Auch der Kanal der Lennepe, der unter der Baustelle herführte, musste überbrückt werden, er wurde nicht beschädigt.

Trotz dieser aufwendigen Verfahren ging der Schulbau rasch vonstatten. Bereits am 22. 9. 1965 feierten in Anwesenheit von Oberbürgermeister Heinrichs, Schuldezernent Peter Kürten, MdB Adolf Müller, Bürgermeister Karl Heinz Bona, Pfarrer Walter Jansen und weiterer Vertreter von Rat und Verwaltung das Kollegium, Schüler und Bauleute die Grundsteinlegung, die eigentlich schon ein Richtfest war. Die gesamte Bauzeit dauerte nur 18 Monate. Mitten im ersten Kurzschuljahr am 3. Oktober 1966, konnte der Unterricht im neuen Schulhaus beginnen. Still und voll Freude und Staunen betraten die Kinder die schönen, hellen Räume.

Von nun an hieß die Schule „Städtische katholische Schule Am Stadion“, nicht mehr „Katholische Schule Am Jahnplatz“. Die Arbeit im neuen Hause ließ sich gut an. Jede Klasse hatte ihren eigenen Raum, auch das neu eingeführte 9. Schuljahr, zu dem auch Schüler von der katholischen Schule Lüttringhausen kamen. Es gab einen Physik-, einen Werk- und einen Handarbeitsraum, eine Turnhalle und die erforderlichen Nebenräume. Wenn auch Fachräume und Turnhalle noch mit der Pestalozzischule geteilt wurden, es war Platz genug, und alle Lehrkräfte freuten sich, nun manche neuen Ideen und pädagogischen Innovationen verwirklichen zu können. Am 30. November lud das Kollegium die Pensionäre und die Lehrkräfte, die früher an der Schule Am Jahnplatz tätig waren und jetzt an anderen Schulen unterrichteten, sowie den Vorstand der Schulpflegschaft zur Besichtigung und einer anschließenden Feierstunde ein, es kamen etwa 40 Personen. Am 17. Dezember war ein Tag der offenen Tür für die Eltern mit einem Elternabend, der von den Schülern gestaltet wurde. Rund 300 Eltern nahmen teil. Auch von der Stadt aus erfolgte noch eine offizielle Übergabe der Schule am 14. Dezember. Die Feier fand in der neuen Gemeinschaftsschule Kremenholler Kopf statt, anschließend wurden drei neue Schulen besucht und übergeben: Kremenholler Kopf, Bökerhöhe und Am Stadion, eine beachtliche Leistung der Stadt.

Die Schulreform und das Ende der Volksschule 1968

Leider wurde die allgemeine Freude in der Schulgemeinde bald durch einige Ereignisse getrübt. Rektor von Scharpens Gesundheit hatte in den anstrengenden Jahren gelitten, er reichte im Frühjahr 1967 sein Pensionierungsgesuch ein und trat am Ende des zweiten Kurzschuljahres im Sommer 1967 in den Ruhestand. Mit ihm verlor die Schule einen Leiter, der den Aufbau des Schulwesens nach dem Kriege in Remscheid entscheidend mitgestaltet hatte. In seinem pädagogischen Wirken waren ihm Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zu sozialem Handeln die wichtigsten Erziehungsziele.

Als kommissarischer Leiter kam Alex Peltzer im April 1967 aus Remscheid an die katholische Volksschule. Die Rektorstelle wurde zwar ausgeschrieben, aber nicht wieder besetzt, da sich tief greifende Veränderungen am schulpolitischen Horizont abzeichneten. Die Schulreform stand bevor, das bedeutete unter anderem die Trennung von Unter- und Oberstufe der Volksschule in eine eigenständige Grund- und eine eigenständige Hauptschule. Es entstanden zwei neue Schulformen. Damit war das Ende der alten Volksschule in Sicht. Als das Gesetz am 29. 2. 1968 beschlossen wurde, konnte es das Kollegium kaum fassen, dass die neue schöne Schule nicht mehr die Volksschule sein würde, mit der sich alle so tief verbunden fühlten. Die katholische Elternschaft Remscheids beantragte mit 317 Stimmen die Einrichtung einer katholischen Hauptschule. Da das Antrags- und Wahlverfahren aber sehr kompliziert und für die Eltern zeitaufwendig gestaltet war, scheiterte der Plan, es fehlten 33 Stimmen in der Schlussabstimmung.

So fand am 12. 6. 1968 die letzte Schulentlassfeier im Jugendheim statt, es war die Klasse von Lehrer Gerd Hinders. Dann kam das große Abschiednehmen. 149 Kinder wurden zur neuen Hauptschule in der Leverkuser Straße überwiesen, 34 zum Gymnasium oder zur Realschule. In der katholischen Schule, die jetzt „Katholische Grundschule Am Stadion“ hieß, blieben mit den Schulneulingen 210 Kinder, der Schulleiter und drei Lehrerinnen, von denen eine aus Altersgründen nur noch halbe Stundenzahl erteilte.

Die alte Volksschule war zu Ende, die neue Grundschule war da, aber sie war ein Stiefkind der Schulreform, die alles Augenmerk auf die Einrichtung der Hauptschule gerichtet hatte. Heute hat sich die Einstellung zur Grundschule grundlegend geändert. Sie ist eine eigenständige Schulform mit eigenem reichen Schulleben geworden.

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